Villa Viva
Hamburg
Villa Viva
Hamburg, Harry Potter und das Villa Viva
Manchmal braucht es einen besonderen Anlass für eine Reise – für uns war es ein Weihnachtsgeschenk aus dem Jahr 2024: der Besuch des Musicals „Harry Potter und das verwunschene Kind“. Doch wer mich kennt, weiß, dass bei so einem Trip auch die Unterkunft eine Hauptrolle spielt. Unser Ziel war das Villa Viva, ein Hotel, das fußläufig ungefähr einen Kilometer vom Theater am Großmarkt entfernt liegt und verspricht, Design mit sozialem Anspruch zu verbinden.
Ankunft und Erster Eindruck
Anstatt im Stau zu stehen, ließen wir das Auto diesmal bewusst zu Hause stehen und genossen die Fahrt nach Hamburg mit dem Zug. Wir haben uns für den Flixtrain entschieden. Damit die Mitnahme des Rollstuhls reibungslos klappt und ich ohne Probleme in den Zug komme, haben wir die Fahrt vorab telefonisch angemeldet. Vor Ort am Gleis klappte (erstaunlicherweise) alles wie am Schnürchen: Nach einer kurzen Anmeldung bei der Infozentrale der Deutschen Bahn – etwa 20 Minuten vor Abfahrt – wurden Nele und ich direkt zum Gleis begleitet.
Dank eines Hublifts konnte ich bequem im Rollstuhl sitzend die Stufen des Flixtrains passieren und zu meinem Platz fahren. Um ehrlich zu sein, war das Manövrieren aufgrund meines SmartWheels und der damit verbundenen Länge des Rollstuhls etwas aufwändig, aber das Personal vor Ort war geduldig und gab mir die nötige Zeit. Nach nur zwei Stunden Fahrt rollten wir bereits im Hamburger Hauptbahnhof ein – perfekt eingestimmt auf unser Wochenende.
Vom Bahnhof aus ist der Weg zum Hotel fast komplett ebenerdig. Auch wenn man etwa 20 Minuten einplanen sollte, ist die Strecke problemlos allein und ohne fremde Hilfe zu bewältigen – ein kleiner Kompromiss, der sich angesichts der schwierigen Parksituation in Hamburg definitiv auszahlt.
Am Hotel angekommen, setzt sich die Barrierefreiheit direkt fort: Der Eintritt ins Gebäude ist dank einer elektrischen Schiebetür absolut mühelos möglich. Kein schweres Drücken oder Ziehen – die Tür öffnet sich automatisch und macht den Weg frei in das gemütliche Innere.
Zimmer und Barrierefreiheit
Besonders angenehm gestaltet sich der Weg durch die Flure zum Zimmer: Die Flure des Hotels sind ideal breit für Rollstuhlfahrer konzipiert, sodass man sich jederzeit frei und ohne Einschränkungen bewegen kann. Um schließlich in das Zimmer zu gelangen, nutzt man ganz klassisch eine Karte als digitalen Schlüssel. Bereits beim Hineinfahren fällt dann sofort positiv auf, dass auch die Türrahmen optimal breit bemessen sind. Es bleibt sogar noch ordentlich Platz zu beiden Seiten frei, sodass man ohne lästiges Rangieren oder Sorge um die Kanten passieren kann.
Ein absolutes Highlight im Zimmer ist neben dem Bad und dem Bett das große, rechteckige Fenster. Zumindest aus unserem Rollstuhl Medium Zimmer im 6. Stock war der Ausblick über Hamburg einfach überragend – ein Panorama, das man direkt vom Rollstuhl aus genießen kann.
Im Zimmer selbst findet man neben dem gemütlichen Bett auch einen kleinen kompakten Schrank, der ausreichend Platz bietet, um Kleidung und persönliche Dinge ordentlich zu verstauen.Das Badezimmer im Zimmer verdient ein besonderes Lob: Das Waschbecken ist perfekt unterfahrbar und genau so konzipiert, wie man es sich als Rollstuhlfahrer wünscht. Ein echter Pluspunkt ist zudem die Dusche. Sie ist komplett ebenerdig und sehr ansprechend gestaltet, wobei der rutschfeste Boden für die nötige Sicherheit sorgt. Besonders hilfreich ist die Duschbrausenhalterung, die ich zum Haltegriff umfunktioniert habe, die eine optimale Möglichkeit bietet, um sich beim Duschen sicher festzuhalten und zu stabilisieren. Einen kleinen Minuspunkt gab es für uns Menschen mit Gehbehinderung lediglich bei der Toilette, die zwar angenehm hoch gebaut ist, aber leider keine Haltegriffe besaß. Auch die schweren Brandschutztüren im Flur waren für mich einhändig kaum allein zu bewältigen, sodass ich hier auf Neles Unterstützung angewiesen war.
Frühstück und Speisesaal
Ein zentraler Punkt jeder Reise ist für mich das Frühstück. Hier ist Barrierefreiheit für mich mehr als nur ein bauliches Detail – es geht um den persönlichen Anspruch, selbstbestimmt zu entscheiden, was und wie viel auf dem eigenen Teller landet.Offenheit trifft auf Design Der Speisesaal im Villa Viva ist beeindruckend: groß, hell und durch eine flache Rampe absolut mühelos erreichbar. Einmal im Saal angekommen, setzt sich das positive Bild fort: Die Tische sind mit dem Rollstuhl hervorragend unterfahrbar und bieten genug Platz. Dabei fällt auf, dass der Raum geschickt unterteilt ist: Es existieren auch Bereiche mit Tischen, die ausschließlich für Menschen ohne Handicap zugänglich sind, da dort eine kleine Stufe überwunden werden muss. So findet jeder Gast seinen passenden Platz. Einzig der Weg zum Saal erfordert ein wenig Aufmerksamkeit, da nach der Fahrt mit dem Aufzug eine Brandschutztür überwunden werden muss.
Die Herausforderung der Höhe Die eigentliche Herausforderung gestaltete sich jedoch darin, dass die Tresen, auf denen die Speisen angerichtet sind, für mich aus der Sitzposition leider viel zu hoch waren. Das machte es mir unmöglich, mir eigenständig einen Teller zusammenzustellen – in diesem Moment ist man leider zwingend auf eine Begleitperson angewiesen. Das trübt den Moment der Selbstständigkeit zwar etwas, doch sofern keine Begleitperson vorhanden sein sollte, erfährt man definitiv auch Unterstützung von den herzlichen Mitarbeitern im Speisesaal!
Vielfalt und Souvenirs Das kulinarische Angebot ist modern und vielfältig. Es gibt zahlreiche vegane Alternativen, was ich absolut zeitgemäß finde. Was mir zudem sehr gefällt, ist die Offenheit des Hotels: Auch Nicht-Gäste können für 17,99 € am Frühstück teilnehmen. Diese Einladung an alle unterstreicht den Gemeinschaftscharakter des Villa Viva. Wer ein Stück dieses Flairs mit nach Hause nehmen möchte, hat zudem die Möglichkeit, hoteleigene Tassen, Tees und kleine Teekannen zu erwerben – eine schöne Erinnerung an den Aufenthalt.
Das Highlight im 12. Stock
Wenn man denkt, der Aufenthalt im Villa Viva könnte nicht mehr besser werden, der fährt mit dem Aufzug ganz nach oben. Im 12. Stock befindet sich die Rooftop-Bar – das wortwörtliche Highlight des Hauses.
Sofern man die Aussicht über Hamburg mit einem Getränk genießen möchte, kann man sich an der Bar ein Getränk besorgen und damit direkt auf die Außenterrasse gehen. Dort angekommen, wird man förmlich erschlagen von diesem unglaublichen Einblick, mit dem man konfrontiert wird, sobald man die Terrasse betritt. Von hier oben aus wirkt die geschäftige Stadt ganz friedlich und sofern die Sonne scheint, ist es umso schöner!
Die Bar besticht durch diese beeindruckende Terrasse, die einen fast schon schwindelerregend schönen Blick über ganz Hamburg bietet. Ob die Elbphilharmonie, oder das bunte Treiben am Hauptbahnhof – die Atmosphäre ist dank des offenen Designs einzigartig. Es ist der perfekte Ort, um bei einem Getränk den Sonnenuntergang zu genießen und den Tag ausklingen zu lassen. Besonders schön für uns: Die Bar ist so gestaltet, dass man sich auch im Rollstuhl mitten im Geschehen fühlt. Nur die Aussicht würde uns Rollstuhlfahrern aufgrund des Aufbaus verwehrt bleiben.
Wellness in der Rooftop-Bar: Die oberste Etage hält noch eine ganz besondere Überraschung bereit. In einem separaten, etwas geschützteren Raum der Rooftop-Bar befindet sich eine kleine Fasssauna. Während man im Inneren die wohlige Wärme genießt, ist von außen durch die spezielle Glastür lediglich ein verschwommener Blick möglich. Es ist ein kleiner, feiner Rückzugsort direkt neben dem Bar-Trubel.
Ob für einen Sundowner auf der großen Terrasse oder einen entspannten Saunagang mit dem Wissen, dass man gerade über den Dächern von Hamburg schwebt – der 12. Stock ist der krönende Abschluss unseres Besuchs im Villa Viva.
Mein Fazit
Das Villa Viva ist ein verdammt schönes Hotel mit einem großartigen Team und einer unschlagbaren Nähe zum Harry-Potter-Theater. Von der Rooftop-Bar über das Design bis hin zur menschlichen Herzlichkeit vor Ort – es ist ein Ort, der zeigt, wie moderne Inklusion in einer Großstadt funktionieren kann. Trotz kleiner Hürden für Rollstuhlfahrer wie den Brandschutztüren haben wir uns rundum sehr wohlgefühlt und kommen gerne wieder!
